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Artenportraits

Sonntag, 17 Januar 2016 03:50

Portrait: Glattstieliger Hexenröhrling

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Boletus queletii Schulzer
Glattstieliger Hexenröhrling
Synonyme:
- Boletus lateritius Bres. & Schulzer
- Boletus rubicundus Maire

Familie: Boletaceae
Ordnung: Boletales
Klasse: Agaricomycetes

Hut:halbkugelig, polsterförmig bis ausgebreitet, Hutränder auch im Alter meist noch etwas herabgebogen; Oberfläche fein filzig bis samtig, wenn überhaupt dann sehr spät und nur bei kritischer Witterung verkahlend; meist in sanften Rot-, Gelb- und Brauntönen, seltener auch olivlich; Hutoberfläche bei Druck blauend (Reaktion kann bei alten oder zu trockenen Fruchtkörpern fehlen).

Stiel: schlank keulig bis zylindrisch, kaum je bauchig; Stielbasis gerne etwas wurzelnd / spindelig; blassgelb, zitronengelb oder schmutzig cremefarben, an der Stielbasis mit roten Flecken, teils auch im unteren Stielteil mehr und mehr gleichmäßig weinrot gefärbt; besonders im oberen Stielteil oft mit sehr feinen, gelblichen, rötlichen oder rotbräunlichen Flöckchen besetzt; Stieloberfläche bei Berührung blauend

Röhren: gelblich, im Alter olivgelb; bei Verletzung rasch blauend; Poren fein , ganz jung ebenfalls gelblich, bald orangerot bis rötlich, zum Hutrand oft heller bleibend; im Alter teils wieder gelb oder olivgelb verblassend, oder rostrot gefärbt; auf Druck stark blauend

Fleisch: blassgelb bis schmutzig weißlich, mindestens in der Stielbasis weinrot, gelegentlich auch gesamter Stielteil rötlich gefärbt; recht weich, gerne von Maden befallen; bei Verletzung stark blauend; Hyphen der Stielbasis mit Melzer (Iod) rasch blauschwarz verfärbend (=amyloid).
Beim testen der Amylonreaktion kann die Lösung außen am Stiel (basisnah) aufgebracht werden oder an einer Schnittfläche. Dabei ist zu berücksichtigen, daß dort nicht schon eine Blaufärbung durch Verletzung / Druck stattgefunden hat. Die rötliche Lösung ist so aufzubringen, daß dabei kein Druck ausgeübt wird, der das Ergebnis verfälschen kann.

Speisewert: essbar, roh giftig

Sporenpulver: olivbraun

Vorkommen: Bei Laubbäumen auf kalkhaltigen Böden, bevorzugt an wärmebegünstigten Standorten; Sommer bis Herbst, mäßig verbreitet und nur stellenweise häufig.

Verwechslungen: Mit anderen Dickröhrlingen. Beachtet man den ungenetzten Stiel, die rötlichen Poren und die starke Blaufärbung an allen Teilen der Fruchtkörper, sind nur noch wenige Arten zu berücksichtigen.
Der Flockenstielige Hexenröhrling (Boletus erythropus) unterscheidet sich durch einen meistens kräftigeren Wuchs, Hutfarben meist ohne, Porenfarben von tieferem, satterem Rot, einen oft stärker rot beflockten Stiel ohne weinrote Farben an der Stielbasis, im Schnitt leuchtend gelbes Fleisch ohne oder mit nur wenig rötlichem Fleisch in der Stielbasis und ein Vorkommen auf sauren oder angesäuerten Böden. Alle diese Merkmale sind variabel, ergeben aber ein recht typisches Gesamtbild für beide Arten. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal ist die fehlende Amyloidität der Hyphen der Stielbasis bei Boletus erythropus: Bringt man dort eine Iodlösung (zB Melzer) auf, so verfärbt sich das bei B. erythropus nicht blau / blauschwarz. Die Reaktion sollte natürlich an vorher nicht verfärbten Stellen getestet werden.
Die Stielbasis ist somit auch bei Boletus pseudosulphureus (Gelber Flocki) negativ. Ansonsten ist die Unterscheidung zu gelben Formen von Boletus queletii nicht ganz einfach. Wuchsform und Standort können aber auch hier Hinweise geben.
Der in Deutschland verschollene Wolfsröhrling (Boletus lupinus) unterscheidet sich durch einen meist deutlicher rosa gefärbten Hut, einen leuchtend gelben Stiel mit roten Flecken oder Punkten zur Stielbasis hin und fehlender rötlicher Beflockung. Sicheres Trennmerkmal ist auch hier die fehlende Amyloidität bei Boletus lupinus.
Der Blutrote Hexenröhling (Boletus dupainii) ist ebenfalls in Deutschland verschollen, unterscheidet sich durch einen glatten, kahlen Hut ohne deutlichen Filz und intensiv rote Hut-, Stiel- und Porenfarben. Der schnell glatte Hut gegenüber dem samtigen bis feinfilzigen Hut von B. queletii ist ein recht sicheres Trennmerkmal, ebenso auch hier die inamyloiden Stielhyphen.
Der Abweichende Hexenröhrling (Boletus mendax) zeigt meist wenigstens an der Stielspitze einen feinen Netzansatz, darunter ist die kräftige rote Stielbeflockung und der Stiel mit mehr Rotanteilen ein gutes Merkmal. Auch hat B. mendax oft einen rötlichen Röhrenboden, B. queletii nie.
Im Mittelmeerraum kann man auf zwei weitere, ähnliche Röhrlinge stoßen: Boletus adalgisae und Boletus comptus. Boletus comptus unterscheidet sich durch eine glatte Hutoberfläche (ähnlich wie B. dupainii) und einen mehrheitlich strohgelben Stiel oft mit rudimentärer Netzzeichnung an der Stielspitze. Boletus adalgisae kann extrem ähnlich sehen, hat jedoch inamyloide Hyphen in der Stielbasis.
Der Schwarzblauende Röhrling (Boletus pulverulentus) hat niemals rote Poren.
Der Netzstielige Hexenröhrling (Boletus luridus) ist meistens genetzt, wenn das Stielnetz mal fehlt, können der meist kräftigere Wuchs, die weniger rötlichen Hutfarben und der orangene bis rote Röhrenboden sinnvolle Hinweise zur Unterscheidung sein.

Anmerkungen: Wie so oft wurden auch bei dieser Art etliche Varietäten beschrieben, bei denen es sich um die verschiedenen Ausprägungen in Farbe und Wuchsform handelt. Erwähnenswert wären noch vollständig gelbe (auch durchgehend gelbporige!) Formen, die normalerweise Boletus queletii var. discolor heißen müssten. Anscheinend wurde dieser Name aber auch schon für gelbe und gelbliche Formen von Boletus erythropus gebraucht. Was verwirrend ist, weil ja die Amylonreaktion beide Arten sehr klar trennt.
Die komplett gelbe Form von Boletus erythropus wird derzeit allerdings auf Artrang getrennt (kann sich auch wieder ändern), was dann für Boletus queletii ebenso gehandhabt werden sollte.


Bilder:
   
   
   
   

Quelle: Pilzforum.eu

Gelesen 1144 mal Letzte Änderung am Sonntag, 17 Januar 2016 03:54
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