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Artenportraits

Sonntag, 17 Januar 2016 03:42

Portrait: Gelber Hexenröhrling, Falscher Schwefelröhrling

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Boletus pseudosulphureus Kallenb.
Gelber Hexenröhrling, Falscher Schwefelröhrling
Synonyme:
- Boletus junquilleus (Quel.) Boud. sensu Reid non sensu auct. div.
- Neoboletus junquilleus (Quel.) Gelardi, Simonini & Vizzini
- Neoboletus pseudosulphureus (Kallenb.) W. Klofac

Familie: Boletaceae
Ordnung: Boletales
Klasse: Agaricomycetes

Hut: Oberfläche nur jung fein samtig, rasch verkahlend, komplett gelb, nur im Alter braun fleckend (nach Berührungen: erst blau, dann zu braun umfärbend); bei Berührung intensiv blauend; Hutrand gerne etwas überstehend;
Huthaut ein Trichoderm aus septierten, zylindrischen, nicht inkrustierten Zellen

Stiel: jung bauchig, später keulig bis zylindrisch, meist aber eher stämmig; Oberfläche gelb, +/- mit feinen, gelblichen Flöckchen besetzt; Stielbasis selten mit bräunlichen bis rötlichbraunen Flecken; bei Berührung intensiv blauend

Röhren: gelb bis olivgelb; bei Verletzung sofort intensiv blauend; Poren fein; ebenfalls gelb ohne Rottöne, im Alter auch olivgelb oder rostbraun überlaufen (witterungsbedingt), bei Berührung sofort intensiv blauend

Fleisch: gelb; im Schnitt sofort überall blau bis schwarzblau verfärbend; sehr fest, derb, alt im Stiel fast holzig, dort dann auch selten mit rötlichen Flecken (durch Parasitenbefall); Hyphen der Stielbasis inamyloid

Speisewert:  Speisewert wegen Seltenheit kaum bekannt, dürfte wegen der sehr engen Verwandschaft mit Boletus erythropus aber roh giftig und gut erhitzt essbar sein.

Sporenpulver: olivbraun

Vorkommen: in Deutschland zerstreut und selten; Sommer bis Herbst; Mykorrhiza ungenügend dokumentiert, wohl mit verschiedenen Laub- und Nadelbäumen.

Verwechslungen: Zur Abgrenzung vom Flockenstieligen Hexenröhrling (Boletus erythropus) vgl. unten bei „Anmerkungen“.
Zur Unterscheidung von gelben Formen von Boletus queletii (Glattstieliger Hexenröhrling) ist die positive Amylonreaktion ein sicheres Merkmal, auch das bei B. queletii weichere, weniger kompakte Fleisch kann ein guter Anhaltspunkt sein.
Vom Wolfsröhrling (Boletus lupinus) sind mir keine Berichte zu rein gelben Farbformen bekannt. Dort darf man also eine braunrosa bis pinke Hutoberfläche und zumindest im Alter rote Poren erwarten.
Der Schwarzblauende Röhrling (Boletus pulverulentus) kann auch komplett gelb sein, die Verfärbungen sind recht ähnlich. Der im Regelfall deutlich schlankere Wuchs mit zuspitzender, oft wurzelnder Stielbasis, kleinere Fruchtkörper und das wesentlich weichere Fleisch von B. pulverulentus sind gute Unterscheidungsmerkmale.
Boletus flavosanguineus ist eine mediterrane Art, die recht kleine Fruchtkörper bildet und mit stark positiver Amylonreaktion.
Der ebenfalls komplett gelbe und überall stark blauende Böhmerwaldröhrling (Boletus gabretae) unterscheidet sich leicht durch den genetzten Stiel. Das Gleiche gilt für gelbe Farbformen anderer genetzter Röhrlinge (Boletus luridus = Netzstieliger Hexenröhrling, Boletus torosus = Ochsenröhrling usw.).
Der Kornblumenröhrling verfärbt mit einem helleren Blau, hat eine viel rauhere Hutoberfläche, einen gekammerten Stiel, deutlich helleres Sporenpulver und erscheint sieht auch mikroskopisch ganz anders aus.
Der Starkblauende Rotfußröhrling (Xerocomellus cisalpinus) blaut viel weniger intensiv (vor allem nicht die Hutoberfläche) und kaum je im ganzen Fruchtkörper. Insbesondere der Hut dieser Art ist kaum je gelb.

Anmerkungen: Die Art steht dem Flockenstieligen Hexenröhrling (Boletus erythropus) sehr nahe. Zur Unterscheidung taugt nur das vollständige Fehlen von rotem und braunem Pigment bei B. pseudosulphureus. Bisweilen werden auch unterschiedliche ökologische Vorlieben (wärmebegünstigte Laubwälder (Buchen, Eichen) auf kalkhaltigen Böden bei B. pseudosulphureus) angegeben. Hier wäre die Amylonreaktion interessant, ob nicht gelbe Formen von Boletus queletii (Glattstieliger Hexenröhrling) vorliegen. Zumindest nach einer Quelle sollen die Hyphen der Huthaut (fein inkrustiert bei B. erythropus vs. nicht inkrustiert bei B. pseudosulphureus) ein Trennmerkmal sein.
Genetische Studien sind mir nicht bekannt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Art möglicherweise identisch ist mit B. erythropus, also zur Variationsbreite des „normalen“ Flockenstieligen Hexenröhrlings gehört.
Dann wäre da noch das taxonomische Problem.
Der Name „Boletus pseudosulphureus Kallenbach“ wird in der Literatur kaum verwendet. Meist wird für den hier beschriebenen Pilz der Name „Boletus junquilleus (Quelet) Boudier“ verwendet. Unglücklicherweise wurde dieser Name auch schon verschiedentlich für Formen von Boletus erythropus (vgl. dazu auch Synonymie bei B. erythropus) mit nur teilweisem Pigmentverlust verwendet, also unterschiedlich und verwirrend interpretiert.
Im Sinne der Eindeutigkeit und um Misverständnisse zu vermeiden, wäre also der eindeutig interpretierte Name „Boletus pseudosulphureus Kallenbach“ dem eigentlich älteren Namen vorzuziehen.


Bilder:
   
   
   
Quelle: Pilzforum.eu

Gelesen 1314 mal Letzte Änderung am Sonntag, 17 Januar 2016 03:55

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