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Freitag, 24 Juni 2016 21:29

"Den Pilzen ist es relativ egal, ob man sie abschneidet oder rausdreht" Empfehlung

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Toller Beitrag aus der SZ - Interview mit Veronika Wähnert.

Sammeln im Wald

"Den Pilzen ist es relativ egal, ob man sie abschneidet oder rausdreht"

Wundervoller Korb voller Pilze

 

 

 

 Wie vermeidet man gefährliche Verwechslungen beim Pilzesammeln?
"Am besten ist es, mit Leuten mitzugehen, die sich mit Pilzen auskennen", sagt Expertin Veronika Wähnert.
(Foto: picture-alliance/ dpa)

 


Interview: Nadine Funck
Raus in den Wald, ran an die Schwammerl: In wenigen Tagen beginnt die Pilzsaison. Pilzcoach Veronika Wähnert erklärt, was es beim Sammeln zu beachten gibt.

Pilze sammeln ist etwas für Omas und Opas? Weit gefehlt: Urbane Jäger und Sammler zieht es längst wieder raus in die Natur. Veronika Wähnert ist Pilzcoach und Pilzsachverständige. Im SZ-Interview verrät sie, wo und wann sich Pilze am besten sammeln lassen und warum Apps und Bücher dabei eher keine Hilfe sind.

SZ: Was sind Ihre Aufgaben als Pilzsachverständige und Pilzcoach?

Veronika Wähnert: Das sind zwei völlig verschiedene Dinge! Als Pilzsachverständige geht es darum, den Leuten alle möglichen Fragen zum Thema Pilze sammeln, Pilze essen, Pilzarten bestimmen zu beantworten. Als Pilzcoach wiederum geht es darum, Leute für Pilze zu interessieren, Nachwuchsarbeit zu leisten, die Leute an die Pilze zu bringen.

Woher kommt Ihre Faszination für Pilze?

Ich bin Biologin, beschäftige mich hauptsächlich mit der Botanik und bin viel draußen. Von Kindesbeinen an war ich in der Natur unterwegs, wo mir Pilze begegnet sind. Das Interesse beginnt dann meistens mit der Frage, ob man diese Pilze essen kann. Ich selbst esse inzwischen aber gar keine Pilze mehr.

Ausgerechnet die Pilzexpertin isst keine Pilze mehr. Warum?

Ich finde Pilze wahnsinnig spannend. Sie sind einfach zu schade zum Essen. Ich esse auch keine Tiere.

Pilze sammeln - ist das ein neuer Trend?

Es ist erfreulich, dass es die Leute wieder mehr in den Wald zieht, denn das haben sie viele Jahre nicht gemacht. Sie hatten große Angst wegen Tschernobyl - inzwischen ist das dreißig Jahre her und nicht nur aus den Medien, sondern auch aus den Köpfen der Menschen.

Veronika Wähnert

 

 

 

 

 

Veronika Wähnert ist studierte Biologin und arbeitet als Pilzcoach und Pilzsachverständige.
(Foto: privat)

Wie kann man sich den typischen Pilzsammler vorstellen?

Diejenigen, die regelmäßig sammeln gehen und das schon immer getan haben, sind tatsächlich Ältere. Inzwischen gibt es auch Leute mittleren Alters, die Interesse haben. Junge Menschen für Pilze zu begeistern ist allerdings schwer - elektronische Geräte sind ihnen einfach viel wichtiger.

Ist Pilze sammeln nur etwas für Männer?

Nein, das ist sehr ausgeglichen. Sammeln ist ja traditionell eher Aufgabe der Frauen.

Sollte man den Rat eines Experten holen, bevor man das erste Mal auf die Suche geht?

Klar kann man an vielen Volkshocheschulen Kurse und Führungen belegen, um einen Einblick in das Thema zu bekommen, meistens bringt das aber nicht viel. Am besten ist es, mit Leuten mitzugehen, die sich mit Pilzen auskennen. Denn die Zahl der Pilze ist unwahrscheinlich groß - allein in Mitteleuropa sind es etwa 10 000 Großpilzarten. Da gibt es auch mehr zwischen Himmel und Erde als einem eine App verrät oder in Büchern steht.

Von Apps und Büchern zu Pilzen raten Sie also ab?

Grundsätzlich nein, aber Anfänger überschätzen sich gerne. Sie gehen in den Wald, haben ein Buch dabei, das sie irgendwo günstig gekauft haben oder sie haben sich kurz vorher eine App heruntergeladen und fühlen sich jetzt sicher. Dann entdecken sie im Wald zum Beispiel einen Pilz mit rotem Hut und suchen ihn in ihrer App. Wenn die App ihnen dann nur zwei Pilzarten mit rotem Hut anzeigt, anstatt zigfach mehr Arten, die es tatsächlich gibt, kann das gefährlich werden.

Weil es zu Verwechslungen kommen kann?

Das einzige, was einen wirklich schützt, ist, die Pilze sehr gut zu kennen. Es gibt wahnsinnig viele Verwechslungsgefahren, gerade unter den Lamellenpilzen. Einfache Merkregeln über Merkmale treffen oft nicht zu. Wichtig ist aber: Pilze sind nicht kontaktgiftig. Man fällt also nicht gleich tot um, wenn man einen giftigen Pilz angefasst hat. Gefahr droht erst, wenn man den Pilz isst.

Wann kann man am besten Pilze sammeln?

Eigentlich gibt es das ganze Jahr Pilze, aber die Hauptsaison ist der Herbst. Weil es in diesem Jahr sehr viel regnet, wachsen im Moment schon die ersten Pilze. Noch ist es ein bisschen früh, aber die Saison geht schon bald richtig los. Ab Juli kommen die ersten Pfifferlinge.

Darf man alle Pilze sammeln, die man im Wald findet?

In Naturschutzgebieten und in den Kernzonen verschiedener Nationalparks ist es verboten, zu sammeln. Ansonsten gilt in Deutschland freies Waldbetretungsrecht. Viele wissen aber nicht, dass einige der beliebten Speisepilze, etwa der Pfifferling oder der Steinpilz, hierzulande gesetzlich geschützt sind. Das heißt, dass sie nur in kleiner Menge und zum eigenen Verzehr gesammelt werden dürfen.

Tipps für die Zubereitung und den Verzehr

Wie gehe ich vor, wenn ich im Wald die ideale Stelle zum Sammeln gefunden habe?

Den Pilzen ist es relativ egal, ob man sie abschneidet oder rausdreht. Man sammelt nämlich nicht den eigentlichen Pilz, der sich im Boden befindet, sondern die Fruchtkörper. Ein Anfänger sollte sich auf jeden Fall an Röhrlinge halten. Das sind Pilze, die unten Röhren haben und sich leicht ablösen lassen. Außerdem gibt es bei den Röhrlingen, anders als bei den Blätter- und Lammellenpilzen, keine tödlich giftigen Arten. Wichtig ist, dass man nur so viele Pilze sammelt, wie man auch essen kann. Bei Pilzen verhält es sich ähnlich wie Fleisch: man sollte sie besser gleich als später zubereiten und verzehren, denn sie verderben recht schnell. Nur wenige Arten kann man über Nacht im Kühlschrank lagern.

Wie bekommt man die Pilze vom Wald nach Hause?

Pilze dürfen niemals in einer Plastiktüte transportiert werden. Durch das Wasser, das sich in der Plastiktüte bildet, zersetzen sich die Pilze sehr schnell, so dass sie eigentlich schon verdorben sind, bevor man wieder zu Hause ist. Empfehlenswert ist es, sie in einem luftdurchlässigen Korb zu transportieren.

Was ist beim Verzehr zu beachten?

Pilze sind schwer verdaulich. Üblicherweise werden sie in der Pfanne mit Butter oder Sahne zubereitet - aber gerade das Fett macht sie schwer verträglich. Viele Pilzvergiftungen, die tatsächlich gar keine Vergiftungen sind, rühren daher, dass man zu viele Pilze gegessen hat oder sie zusammen mit zu viel Fett und Alkohol verzehrt hat.

Was kann man mit Pilzen sonst noch machen?

Sehr vieles. Besonders in der Medizin sind sie elementar. Viele Medikamente würde es ohne Pilze gar nicht geben, man denke zum Beispiel an Penicillin. Pilze eignen sich aber auch wunderbar für kreative Arbeiten. So kann man mit ihnen sehr gut Wolle oder Seide färben. Außerdem kann man mit ihnen reinweißes Papier herstellen. Pilze - vielseitig und kreativ, sage ich immer.

Gelesen 10527 mal Letzte Änderung am Freitag, 24 Juni 2016 21:33

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