Kto.: Sparkasse Regen-Viechtach
IBAN: DE57 7415 1450 0023 2050 32
BIC: BYLADEM1REG

Samstag, 02 Januar 2016 23:28

Der Nationalpark Bayerischer Wald Empfehlung

geschrieben von
Artikel bewerten
(3 Stimmen)

Der Nationalpark Bayerischer Wald, grenzenlose Waldwildnis in der die Natur noch Natur sein darf.

Video „Geburt eines Urwaldes“

„Natur Natur sein lassen“ lautet die Philosophie und in der Tat, nirgendwo sonst zwischen Atlantik und Ural dürfen sich die Wälder, Moore, Bergbäche und Seen auf so großer Fläche nach ihren ureigenen Gesetzen zu einer einmaligen wilden Waldlandschaft entwickeln.

Schutzzweck

Nationalparke in Deutschland haben zum Ziel, in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu gewährleisten.

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist auf Grund seiner konsequenten Umsetzung des Prinzips „Natur Natur sein lassen“ vom Europarat (Europadiplom) und der IUCN (The World Conservation Union) international als Nationalpark der Kat. II anerkannt. Gemäß den internationalen Naturschutz-Qualitätsstandards sind auf mindestens 75% der Fläche die prioritären Managementziele, die auf eine unbeeinflusste Entwicklung der Natur abzielen, zu gewährleisten.

Der Nationalpark Bayerischer Wald schützt eine für Mitteleuropa charakteristische, weitgehend bewaldete Mittelgebirgslandschaft mit ihren natürlichen und naturnahen Ökosystemen als nationales Naturerbe für jetzige und künftige Generationen. Das Wirken der natürlichen Umweltkräfte und die ungestörte Dynamik der Lebensgemeinschaften werden dabei vornehmlich gewährleistet. So entwickeln sich die Wälder des Nationalparks auf der weit überwiegenden Fläche ohne lenkende Eingriffe des Menschen langfristig wieder zu Naturwäldern. Naturereignisse wie Windwurf und Schneebruch sind zusammen mit Insekten- und Pilzbefall wesentliche Faktoren einer natürlichen Waldentwicklung.

Geschichte

Schon in den 60iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es einen heftigen Streit zwischen Naturschützern und der Tourismusindustrie über die zukünftige Nutzung des Rachel-Lusengebiets im Bayerischen Wald. Neue Skiabfahrten und Lifte sollten der bis dahin unberührten Waldregion mehr Gäste und sichere Einnahmen bescheren. Das Gegenangebot war die Schaffung eines Nationalparks, jene uralte Idee, die bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückreichte.

Zum Ende der 30iger Jahre konkretisieren sich erstmals Pläne für einen Nationalpark Böhmerwald, wobei der größere Teil des geplanten Großschutzgebiets auf tschechischer Seite lag. Die Arbeiten zur Unterschutzstellung durch die Reichsstelle für Naturschutz wurden bedingt durch die Wirren des 2. Weltkriegs 1943 jäh gestoppt.

Mit dem legendären „Gipfeltreffen“ tschechischer, österreichischer und deutscher Naturschützer auf dem Dreisessel begannen die bis heute laufenden Diskussionen um einen großen Wald-Nationalpark im Herzen Europas. Führende Naturschützer wie Hubert Weinzierl, der populäre Professor Bernhard Grzimek und der Präsident des Deutschen Naturschutzrings Wolfgang Engelhardt unterstützten die Idee.

Am 11. Juni 1969 beschloss der Bayerische Landtag einstimmig, im Bayerischen Wald einen Nationalpark einzurichten. Die weitere Ausgestaltung dieses ersten deutschen Nationalparks, der am 7. Oktober 1970 feierlich eröffnet wurde, fand seine fachliche Grundlage im sogenannten „Haber-Gutachten“ (1968).

Die erfolgreichen Anstrengungen wurden 1991 noch durch die Schaffung des Nationalparks Šumava auf tschechischer Seite gekrönt. Und schließlich gelang es im Jahr 1997, den Nationalpark Bayerischer Wald im Wesentlichen um die Staatswälder nordöstlich von Zwiesel auf nahezu die doppelte Fläche von nunmehr 24.222 Hektar zu erweitern.

Nationalparkidee

Ihren Ursprung hat die Nationalparkidee in Nordamerika, wo 1872 in Yellowstone der weltweit erste Nationalpark gegründet wurde. In Europa folgten die ersten Nationalparke 1909 in Schweden und 1914 in der Schweiz. 1970 wurde der Nationalpark Bayerischer Wald als erster deutscher Nationalpark eröffnet. Weltweit gibt es heute mehr als 3.800 Nationalparke in über 120 Ländern. Die Anzahl der Nationalparke in Deutschland hat sich mittlerweile auf 15 erhöht.

Die Nationalparke Nordamerikas werden heute gerne auch als „Amerikas beste Idee“ und als die Kronjuwelen dieses Kontinents bezeichnet. Die Nationalparke waren jedoch damals wie heute Schlachtfelder der Naturschutzbewegung. Es tobte vor rund 140 Jahren ein Kampf darum, ob die monumentalen Naturwunder der Vereinigten Staaten ein paar wenigen Profiteuren zur Ausbeutung überlassen, oder vom Staat treuhänderisch für die gesamte Menschheit für alle Zeiten bewahrt werden sollten. Die Suche nach einer unverwechselbaren nationalen Identität gab den anfänglichen Impuls für den Schutz monumentaler Landschaften. Dem Weitblick von Männern wie John Muir und Stephen Mather ist es zu verdanken, dass die Nationalparkidee verwirklicht wurde und große Gebiete für immer dem Raubbau und der Ausbeutung unterschiedlichster Art entzogen wurden.

Die Nationalparke wurden damals nicht in erster Linie geschaffen als Refugien für die dort lebenden Wildtiere, sondern für die menschliche Gesellschaft als „pleasuring grounds for the enjoyment and benefit of the people“.

In dem Maße, in dem sich die Wahrnehmung der Umwelt durch die Menschen änderte, wurden die Nationalparke in den USA und später auch in Europa zunehmend bedeutend für den Schutz von Wildnis, von Wildtieren und von ökologischen Prozessen. Mit dem Fortschreiten der Ökologie reifte allmählich die Erkenntnis, dass in einem Nationalpark alles miteinander verflochten ist, es letztlich die Gesamtheit der Prozesse ist, die wir schützen müssen.

Dies bedeutete einen radikalen Wandel unseres Naturverständnisses. Es bedeutet, dass Wild nicht mehr gefüttert und gejagt werden soll, sondern die Tiere ihren eigenen Weg gehen sollen – im Einklang mit der Natur. Es bedeutet, dass in der borealen Nadelwaldzone natürliche Feuer eine wichtige Rolle für die Regeneration der Wälder spielen, und sie deshalb in Nationalparken nicht kategorisch unterdrückt werden dürfen. Und schließlich haben wir in Mitteleuropa inzwischen gelernt, dass Naturereignisse wie Sturmwürfe und Schneebruch zusammen mit Insekten- und Pilzbefall wesentliche Faktoren einer natürlichen Waldentwicklung darstellen, die für den übergeordneten Schutz der biologischen Vielfalt auf unserem Globus eher als vorteilhaft denn als nachteilig zu bewerten sind.

Heute sind Nationalparke Bühnen, die uns tiefer in die Natur blicken lassen und uns lehren, was sie für die Seele des Menschen bedeutet.

Gelesen 8486 mal Letzte Änderung am Dienstag, 05 Januar 2016 23:05

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit Stern * zu füllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.

Letzte Forenbeiträge

Mehr »

Newsletter

Teamviewer downloaden und Hilfe erhalten.

DSGVO-geprüft

Datenschutzsiegel